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Unsere Igelstation



Meistens findet man seine Aufgaben nicht durch intensive Suche, sondern indem man sie auf sich zukommen lässt. Auf diesem Wege bin ich zu den Igeln gekommen, die mich mittlerweile ganz schön auf Trab halten.

 


Im Zuge meiner Ausbildung als Tierpsychologin arbeite ich im Tierheim Tornow als Praktikantin. Dort wurde im August 2008 ein Fund von zwei Igelbabys gemeldet, deren Mutter überfahren worden war. Bei der Igelhilfe konnte niemand erreicht werden. Da Igelbabys sehr schnell auskühlen, war nun schnelle Hilfe gefragt. Ich holte die kleinen Zwerge ab. Sie brachten ganze 50 g auf die Waage und waren schon recht ausgekühlt. Sie brauchten dringend Nahrung (Milchaustauschfutter) und eine ständige Wärmequelle. Mit Hilfe des Tierschutzvereins Oberhavel, insbesondere der 1. Vorsitzenden Frau Dagmar Knauth und des in Leegebruch ansässigen Tierarztes Dr. Sattelmair, gelang es mir, die Zwerge „Molli“ und „Wolli“ durchzubringen – wobei die Babys natürlich auch nachts regelmäßig gefüttert werden mussten. Anfang Oktober konnten sie dann mit strammen 580 g wieder in die Freiheit gesetzt werden und ihr eigenes Leben führen.

Dadurch wurde der berühmte Stein ins Rollen gebracht. Immer häufiger wurden schwache, kranke und verletzte Igel abgegeben bzw. gemeldet. Zeitweise leisteten mir 13 Igel Gesellschaft – natürlich nicht alle im Haus.

In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass nicht jeder Igel einfach eingesammelt werden sollte bzw. darf. Igel sind eine geschützte Art und dürfen gemäß § 43 BNatSchG nur dann aus der Natur entnommen werden, wenn sie hilfsbedürftig sind.

Da der Lebensraum für den Igel auch immer kleiner wird und es immer schwieriger wird, genügend Nahrung wie Schnecken, Regenwürmer, Raupen, Käfer, Spinnen etc. zu finden, erreichen einige Igel nicht ihr Gewicht, das sie für den Winterschlaf brauchen, der etwa von Mitte November/Anfang Dezember bis Mitte März/Mitte April andauert. Die Meinungen des erforderlichen Gewichts für den Winterschlaf des Igels gehen sehr auseinander. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass ein junger Igel, sollte er seinen ersten Winterschlaf überleben, ein Mindestgewicht von 450 g haben muss (Tierfindlinge, Jürgen Plass, Seite 98). Daher sollte man im November wirklich nur Jungigel aufnehmen, die deutlich unter 500 g wiegen (Tierfindlinge a.a.O.). Sinnvoll ist es auf jeden Fall, Igeln zusätzlich Futter (vorzugsweise Katzenfutter) im eigenen Garten zur Verfügung zu stellen.

Findet man einen kranken, verletzten oder untergewichtigen Igel, sollte dieser auf jeden Fall umgehend einem Tierarzt vorgestellt werden, da Igel in der Regel von Außen- und Innenparasiten befallen sind. Erste Hilfemaßnahmen sind Wärmen, Futter und Getränk anbieten, Notunterkunft herrichten, umgehend einen Tierarzt oder Igelstation konsultieren und Ungeziefer entfernen.

Für Fragen, Sach- und Futterspenden wenden Sie sich bitte an den Tierschutzverein Oberhavel e. V., Frau Knauth, Telefon: 033080 40808 oder Ellen Schütze, 03304 253469.

Hier kann sinnvolle Hilfe geleistet werden, damit die kleinen nützlichen Stachelhäuter weiterhin nachts durch unsere Gärten rennen können.


Ellen Schütze